Rückblick auf den Einsatz im Zusammenhang mit der katastrophalen Flut im Sommer 2021

Einsatz: 48/2021
Stichwort: Katastrophenalarm
Datum: 14.07.2021 bis 31.07.2021

Zusammenfassender Einsatzbericht

Es ist eigentlich kaum möglich, die letzten Wochen sinnvoll zusammen zu fassen. Wir haben Dinge erlebt, die wir uns nicht vorstellen konnten. Das gilt natürlich nicht nur für die Feuerwehr, sondern für jeden, der in den letzten Wochen in Erftstadt anwesend war. Wir wollen versuchen, einige dieser Eindrücke zusammen zu fassen und damit ein Bild von unserer Arbeit der letzten Wochen zu vermitteln.

Dabei ist es uns wichtig, keine Persönlichkeitsrechte zu verletzen und keine Fotos von Schadenobjekten zu veröffentlichen. Hierzu finden sich ausreichend Bilder und Videos in der lokalen und überregionalen Presse.

Gleichzeitig möchten wir uns bei den unzähligen Hilfs- und Unterstützungsangeboten bedanken. Es war vor allem eine tolle Unterstützung, wenn an den Einsatzstellen Wasser oder etwas zu Essen angeboten wurde. Auch die vielen Anfragen und Angebote per Mail oder über unser Kontaktformular waren überwältigend. Aufgrund der vielen Einsätze und der Vielzahl eingegangener Nachrichten und Emails konnten wir (Stand 1. August) leider noch nicht alle eingegangenen Angebote beantworten. Wir werden das aber nachholen.

Die Nacht von Mittwoch (14. Juli) auf Donnerstag

Wie fast alle anderen Feuerwehren in den vom Starkregen betroffenen Gebieten wurden wir im Laufe des Mittwochs (14. Juni) zu verschiedenen Pumpeneinsätzen alarmiert. In der ersten Nacht von Mittwoch auf Donnerstag waren wir an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet zum Auspumpen von privaten Kellern eingesetzt. Anders als bei “normalen” Unwetterlagen haben wir hier erleben müssen, dass es mit unserer Pumpenkapazität unmöglich war, die eindringenden Wassermassen schnell genug abzuführen. Trotz massivem Pumpeneinsatz war es unmöglich, die betroffenen Keller zu halten. Da gleichzeitig immer mehr dringendere Notrufe eingingen, musste der Pumpeneinsatz für private Keller am Mittwochabend aufgegeben werden.

In weiteren Verlauf der Nacht war die Löschgruppe Liblar dauerhaft in Notfalleinsätzen eingesetzt. Insbesondere die Rettung der Pferde aus den Stallungen, die hinter der Blessemer Burg lagen, und die Evakuierung der Burg Blessem sind hier in Erinnerung geblieben. Für die eingesetzten Feuerwehrleute war es dabei kaum erträglich, vielen Menschen in ihrer Angst um ihr Hab und Gut nicht helfen zu können. Den enormen Wassermassen, die in die Wohnungen und Häuser einströmten, konnte man mit unseren Mitteln nichts entgegen setzen. Natürlich weiß man, dass es vernünftig ist, die Kräfte auf Menschen- und Tierrettungen sowie auf den Schutz kritischer Infrastrukturen (Krankenhäuser, Altenpflegezentren, etc.) zu konzentrieren – aber es fühlt sich nicht gut an…

Donnerstag (15. Juli)

Nachdem die erste Nacht bereits viele Kräfte gezehrt hat, freuten sich viele auf eine Auslösung am Morgen des 15. Juli. Alle Einsatzkräfte waren im Wasser und sind häufig bis zur Hüfte nass geworden. Die meisten sind am Vortag zur normalen Arbeit aufgestanden und waren dementsprechend bereits bis zu 24 Stunden auf den Beinen.

Die für uns unerwartete Flutwelle kam allerdings so schnell, dass im weiteren Verlauf des Donnerstags unzählige Menschenrettungen und Evakuierungen für alle Einheiten der Feuerwehr Erftstadt stattfanden. Hinzu kam, dass etliche Straßen und Brücken aufgrund der Wassermassen mittlerweile unpassierbar wurden. Den gesamten Donnerstag über sind wir pausenlos vorwiegend in den Ortslagen Bliesheim, Blessem und Liblar im Einsatz gewesen und unterstützten abschließend in der Nacht zu Freitag die Evakuierung von Krankenhaus, Altenpflegeeinrichtung und Hospitz in Frauenthal.

Erst am Freitagvormittag – nach teilweise 48 Stunden auf den Beinen – konnten viele Feuerwehrleute in Erftstadt ihre erste kurze Pause einlegen.

Einsätze ab Freitag (16. Juli)

Nach einer kurzen Erholungspause wurden wir ab Freitag zur Abarbeitung der vielzähligen anliegenden Hilfeersuchen eingesetzt, da die zeitkritischen Einsätze zur Menschen- und Tierrettung im Vergleich zu Donnerstag abnahmen. Seit diesem Freitag pumpten alle Einheiten der Feuerwehr Erftstadt zusammen mit sehr vielen Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, Rotem Kreuz, Wasserwacht, Polizei, Bundeswehr und vielen weiteren etliche Gebäude leer und versuchten, die ausgefallene Infrastruktur wieder in Gang zu setzen bzw. die dafür erforderlichen ersten Schritte einzuleiten.

Dabei wurde für uns das eigentliche Ausmaß der Zerstörung erst wirklich sichtbar. Die Abarbeitung der Einsätze wurde nur für kurze Schlafpausen unterbrochen.

Großbrand bei einem lokalen Abfallentsorger

Dass auch bei einer Katastrophenlage die normalen Aufgaben der Feuerwehr nicht liegen bleiben, mussten wir am Mittwoch (21. Juli) feststellen. Auch dieser Tag war eigentlich zur die Hilfe der Bevölkerung bei der Beseitigung der Flutschäden vorgesehen. Allerdings wurden wir zu einem Brand bei einem örtlichen Abfallentsorger alarmiert, der an diesem Tag unsere ganze Aufmerksamkeit forderte.

Einsätze in Blessem ab Donnerstag, 22. Juli

Nachdem am Donnerstag (22. Juli) die Ortslage Blessem sukzessive wieder für die Bevölkerung freigegeben wurde, wurde auch unser Einsatzschwerpunkt in den Bereich Blessem verlegt.

Hier unterstützten wir insb. durch das Auspumpen vollgelaufener Keller und kleinere Hilfeleistungen vor Ort.

Bis zum Samstag (31. Juli) wurde die LG Liblar zusammen mit etlichen anderen Einheiten jeden Tag zu Einsätzen im Zusammenhang mit der Flut eingesetzt.

Das normale Feuerwehrgeschäft lief gleichzeitig weiter. In dieser Zeit wurden wir zu mehreren Eileinsätzen, wie z.B. Gasfreisetzungen oder gemeldeten Wohnhausbränden alarmiert. Besonders hervorzuheben ist hier aber der Einsatz bei der Explosion im Chempark Leverkusen.

Einsatz als Messeinheit bei der Explosion im Chempark Leverkusen

Zusätzlich wurden wir am 27. Juli noch als Messeinheit zu der verheerenden Explosion im Chempark Leverkusen alarmiert. Wir schlossen uns dem Messzug des Rhein-Erft-Kreises an um in Leverkusen Messungen auf Schadstoffbelastungen durchzuführen.

Fazit

Der vorläufig letzte Einsatz im Zusammenhang mit der Flut war die Entwässerung der Burg Blessem am Samstag, den 31. August, zusammen mit der Einheit Köttingen. Ab dem 1. August werden wir unsere Einsätze wieder in gewohnter Weise dokumentieren.

Eine solche Situation und einen solchen Einsatz hat niemand aus unserer Einheit bisher erlebt. Es ist erschreckend, welche Zerstörung durch diese Naturgewalt verursacht wurde. Wir sind sehr froh, dass es zumindest in Erftstadt zu keinen Todesopfern im unmittelbaren Zusammenhang mit der Flut gekommen ist. Unser Mitgefühl ist bei allen Menschen, die von den Ausmaßen dieser Flut betroffen sind, auch über unsere Stadtgrenze hinaus.

Gleichzeitig ist der Zusammenhalt innerhalb der Bevölkerung und auch in den Reihen der Hilfsorganisationen überwältigend. Insbesondere die vielen Spontanhelfer, die z.B. in Blessem tatkräftig mit anpackten und wildfremden Menschen einfach und unkompliziert geholfen haben und Keller ausräumten oder anderweitig unterstützten, haben uns wirklich beeindruckt. Aber auch die Spendenbereitschaft und die Versorgung mit Wasser und Nahrungsmitteln, die auch uns immer wieder unterstützt hat, motiviert ungemein.

Wir möchten uns bei allen Menschen, egal ob als Zivilperson, Feuerwehr (explizit auch bei den vielen eingesetzten überörtlichen Einheiten), THW, Polizei, Bundeswehr, DRK, Malteser Hilfsdienst, ASB, Wasserwacht, DLRG und von allen anderen Organisationen bedanken, die zur Bewältigung dieser unglaublichen Katastrophe beigetragen haben und weiter beitragen.

Größere Ölspur in Erftstadt

Einsatz: 95/2020
Stichwort: Ölspur
Datum: 31.12.2020
Uhrzeit: 13:55 Uhr

Direkt nachdem der Vekehrsunfall auf der Autobahn abgearbeitet war, wurde unser Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 20) von einer anderen Einsatzstelle in Erftstadt angefordert. Eine lange Ölspur, die sich durch mehrere Ortschaften zog, musste an besonderen Gefahrenstellen in Abstimmung mit der Polizei abgestreut werden.

Wir unterstützten die anderen eingesetzten Kräfte, indem die Ölspur am Kreisverkehr zwischen Ahrem und Liblar mit Bindemittel aufgenommen wurde. Die anderen Bereiche wurden von anderen Einheiten übernommen bzw. an die Verkehrspolizei übergeben.

Verkehrsunfall auf der Autobahn an Silvester

Einsatz: 94/2020
Stichwort: VU-mit
Datum: 31.12.2020
Uhrzeit: 13:28 Uhr

Am Mittag des Silvestertages kam es auf der Autobahn 61 in Fahrtrichtung Venlo zu einem Verkehrsunfall bei dem vier Personen verletzt wurden. Da keine Person im Fahrzeug eingeschlossen wurde, konnte sich die Feuerwehr auf die Absicherung der Einsatzstelle für den Rettungsdienst konzentrieren. Hierzu gehört neben der Absicherung gegen den fließenden Verkehr üblicherweise auch die Sicherstellung des Brandschutzes und die Absicherung des Unfallfahrzeuges (Kontrolle auslaufender Betriebsstoffe, Abklemmen der Fahrzeugbatterie etc.)

Nach ca. 30 Minuten konnte der Einsatz beendet und die Einsatzstelle an die Polizei übergeben werden.

Brandmeldeanlage in Liblarer Gesundheitseinrichtung

Einsatz: 93/2020
Stichwort: BMA 4
Datum: 27.12.2020
Uhrzeit: 09:33 Uhr

Zusammen mit den Einheiten Blessem, Köttingen und der hauptamtlichen Wache wurden wir am Sonntagmorgen zu einer medizinischen Einrichtung in einem historischen Gebäude alarmiert. Dort hatte die Brandmeldeanlage ausgelöst. Glücklicherweise stellte sich auch dieser Alarm wieder als Fehlstart heraus, sodass wir schnell wieder einrücken konnten.

In der Nähe des Objekts wurde ein Bereitstellungsraum für die Einsatzfahrzeuge eingerichtet.

Brandmeldeanlage in Altenpflegezentrum

Einsatz: 92/2020
Stichwort: BMA 6
Datum: 25.12.2020
Uhrzeit: 09:58 Uhr

Am morgen des ersten Weihnachtsfeiertages wurden wir zu der ausgelösten Brandmeldeanlage einer Altenpflegeeinrichtung in Liblar gerufen. Durch die Zubereitung von Essen hat ein Rauchmelder ausgelöst. Der Einsatz konnte nach einer kurzen Erkundung schnell beendet werden.

Gasaustritt in Köttingen

Einsatz: 91/2020
Stichwort: Gasaustritt
Datum: 23.12.2020
Uhrzeit: 19:09 Uhr

Am Abend vor Heiligabend wurden wir als Messeinheit des Rhein-Erft-Kreises nach Köttingen alarmiert. Dort trat aus einem Fahrzeug eines internationalen Vertriebs für technische Gase ein unbekanntes Produkt aus. Unmittelbar am Fahrzeug konnte eine Kondensbildung beobachtet werden und unter dem Fahrzeug hatte sich bereits eine Eisschicht gebildet, was auf ein tiefkaltverflüssigtes Gas schließen ließ.

Die Feuerwehr sperrte die Umgebung um das Fahrzeug ab und klärte über die Notrufnummer der Spedition ab, um welches Gas es sich handelt. Über die Spedition konnte schnell ermittelt werden, dass es sich um Stickstoff – also ein ungefährliches Gas – handelte. Da der Austrittsmenge so gering war, dass über unsere Messgeräte keine relevante Sauerstoffverdrängung nachweisbar war, konnte eine Gefährdung für Einsatzkräfte und die Bevölkerung schnell ausgeschlossen werden.

Die Spedition entsandte unverzüglich einen Fahrer an die Einsatzstelle. Im Fahrzeug wurde durch diesen ein Behälter abgedichtet. Obwohl das Fahrzeug nicht rechtswidrig abgestellt war und keine Gefährdung vom Fahrzeug ausging, wurde es durch die Spedition vorsorglich auf freiwilliger Basis in unbewohntes Gebiet umgesetzt.

Verkehrsunfall auf der Autobahn

Einsatz: 90/2020
Stichwort: VU-mit
Datum: 19.12.2020
Uhrzeit: 16:21 Uhr

Am Samstagnachmittag wurde die LG Liblar zusammen mit der hauptamtlichen Wache zu einem Verkehrsunfall mit verletzten Personen auf die A 61 alarmiert. Da keine Betriebsmittel ausliefen und die verletzten Personen durch den Rettungsdienst behandelt wurden, konnte die Feuerwehr ihre Tätigkeit einstellen, nachdem die Autobahnpolizei die Absperrmaßnahmen übernommen hat.

Feuer bei Abfallentsorger

Einsatz: 88/2020
Stichwort: Lagerhalle
Datum: 11.12.2020
Uhrzeit: 21:47 Uhr

Der zweite Einsatz des Tages dauerte deutlich länger als die vorangegangene Türöffnung. Bei einem lokalen Abfallentsorger hat sich Müll entzündet, der die ganze Nacht über durch die Feuerwehr abgelöscht werden musste.

Im Einsatz waren neben der LG Liblar auch die Einheiten aus Lechenich, Köttingen, Kierdorf, Dirmerzheim, Borr, Friesheim, Erp sowie die hauptamtliche Wache.

Die letzten Einsatzkräfte konnten die Einsatzstelle erst um 13:28 Uhr am darauf folgenden Samstag verlassen.

Türöffnung als Unterstützung für den Rettungsdienst

Einsatz: 87/2020
Stichwort: P-Tür
Datum: 11.12.2020
Uhrzeit: 15:48 Uhr

Am Freitagnachmittag wurde wir zur Unterstützung des Rettungsdienstes in ein Liblarer Gewerbegebiet alarmiert. Hier musste eine Wohnungstür geöffnet werden, damit der Rettungsdienst zum Patienten vordringen konnte.

Glücklicherweise konnte in kurzer Zeit ein Schlüssel organisiert werden, sodass die Löschgruppe Liblar keine gewaltsame Türöffnung einleiten musste.